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Fischer Roses – ein Tag auf dem Fischerboot

Fischer Boss Costa Brava Sonnenaufgang

Blick hinter die Kulissen – ein Tag auf dem Fischerboot

Roses Fischerhafen

Roses Fischerhafen auslaufen zum Fischen

Fünf Uhr morgens, Hafen von Roses. Tintige Dunkelheit umfängt die Gassen, in die sich um diese Zeit noch keine Menschenseele verirrt, matt und regungslos breitet sich das Meer vor den Hafenmauern aus, einzig ein paar verstreute Flutlichter erhellen die schwarze Wasseroberfläche. Noch gleicht das ganze Gelände einem schlafenden Tier, das seinen kühlen Atem in gleichmäßigen Stößen in die Luft entlässt. Man muss zugeben, das neuste Angebot der Estació Nàutica und Confraria de Pescadors in Roses, bei dem man einen Tag lang einen Fischer auf seinem Boot begleitet, ist nichts für Zartbesaitete – doch alleine schon die Aussicht auf den spektakulären Sonnenaufgang über dem Meer, der einem normalerweise entgeht, lockt auf die See.

Die Möwen verfolgen das Boot den ganzen Tag lang.

Fischerei an der Costa Brava

So sehr die Präsenz der Fischerei an der Costa Brava zu spüren ist, so unantastbar scheinen die Fischer selbst zu sein – man stellt sie sich vor als jene rauen, bärtigen Gestalten, denen nur selten ein Wort über die Lippen perlt und die sich bei Morgengrauen in der düsteren Hafenbar zusammenfinden, um bei schwarzen Kaffee die Fanggebiete für den Tag auszulosen.

 Deckmänner bei ihrer Arbeit

Die beiden Deckmänner bei ihrer Arbeit auf dem Fischerboot aus Roses

Fischer der Costa Brava

Ein einsames Leben, reich durch die Gegenwart der Natur und die des Meeres – so die romantische Vorstellung, die einem Fischer anhaftet. Die Arbeit jener Menschen, die tagtäglich die Fischspezialitäten der Costa Brava auf unsere Teller bringen,  scheint ein wohl behüteten Geheimnis – umso einmaliger und verlockender ist die Chance, etwas Licht in dieses Dunkel sickern zu lassen.

Erster Fang.

Erster Fang. – Seezungen

Erst diesen Sommer wurde die Idee nach einer dreijährigen Planungsphase verwirklicht – vierzehn Boote bieten die Fahrt zur Zeit an, es kann gewählt werden zwischen großen Trawlern, die bis zu vier Personen mit an Bord nehmen können und kleineren Booten, die für bis zu zwei Personen konzipiert sind, wobei die Touren variieren.

Roses alle Fischer laufen aus

Wettrennen der Fischer beim auslaufen – Costa Brava – Roses

Verschiedene Fischerboote

Die Fahrt auf einem der großen Schiffe dauert den ganzen Tag lang und hat zwei Mahlzeiten inbegriffen- frischer kann der Fisch wohl nicht sein, der an Deck serviert  wird. Bei den kleinen Booten hat man gegen 13.00 Uhr wieder festen Boden unter den Füßen – dafür muss man sich hier etwas früher aus dem Bett bewegen. Katalonien ist die erste Region, die diesen kulturellen Schatz den Besuchern zugänglich macht. Es lässt sich also vermuten, dass spätestens im nächsten Sommer mehr und mehr Reiselustige das Abenteuer wagen werden. Unsere Fahrt wird eine der letzten der Saison sein, Ende September ist die See zu rau und das Wetter zu gnadenlos und man wird sich bis Mai nächsten Jahres gedulden müssen.

Sonnenaufgang im Golf von Roses

Sonnenaufgang im Golf von Roses – Fischerboot

Kurz vor halb sechs durchbrechen Reifengeräusche die Stille und eine Handvoll Lieferwagen rollt auf den Parkplatz. Zwischen Lagerhallen und Holzkisten, in denen Netze aufgetürmt sind, schüttelt man Hände – unser Fischer hat weder Bart noch graues Haar, trägt dafür ein umso freundlicheres Lächeln und einzig die Schwielen an seinen Händen erinnern an seinen Beruf.

Bootseigner und Fischer in seiner Kajüte

Bootseigner und Fischer in seiner Kajüte seines Fischerbootes an der Costa Brava

Wir haben uns für die halbtägige Variante entschieden – aus dem einfachen Grund, dass wir hoffen, dem Fischer so noch näher zu kommen.  Aus den Lautsprechern auf Deck des kleinen, aber geräumigen Bootes tönen die Stimmen der anderen Fischer, die den Preis für den Tag diskutieren, der wegen dem kommenden Feiertag zu niedrig ist. Es werden Scherze gemacht, Lachen mischt sich mit den Geräuschen der Wellen, die den Schiffsrumpf lecken, von schlechter Laune am Morgen keine Spur. Während wir uns vom Schaukeln des Bootes langsam auf den Tag zuschubsen lassen und uns nach einer Tasse Kaffee sehnen, sind unser Fischer und seine beiden Helfer schon dabei, sich in ihre gelben Gummianzüge zu schälen und lassen den Motor aufheulen – wir stechen in See und plötzlich werden wir von kribbliger Aufregung wachgerüttelt.

Die Arbeit auf dem Meer ist kein Zuckerschlecken.

Die Arbeit auf dem Meer ist kein Zuckerschlecken.

Fischen die Tradition in Roses

Wortkarg ist unser Fischer nicht – gerade im Gegenteil, er erzählt uns nicht nur von dem Fischfang an der Costa Brava, sondern auch seine persönliche Geschichte. Das Fischen liegt ihm im Blut, er und sein Bruder wollten nie etwas anderes machen. Schon seine Urgroßväter und Väter waren in diesem Beruf tätig – die lange Tradition, die sich hinter der Fischerei verbirgt, zeigt einen Moment lang ihr furchiges Antlitz. Die Verbundenheit zum Meer und der Küste hallt in jedem seiner Worte nach. Von unbezahlbaren Momenten auf hoher See spricht er, und von seiner Liebe zu der Natur, die sich im felsigen Gesicht der Küste in ihrer ganzen Ungeschliffenheit offenbart. Tatsächlich klafft inzwischen ein erster Streifen Morgenrot in dem blauen Nachthimmel und man glaubt eine leise Ahnung von dem zu bekommen, was sich hinter seinen Worten verbirgt.

Endlich - die Sonne geht auf!

Endlich – die Sonne geht auf und die ersten Fische sind im Netz

In der Luft hängt der schwere Geruch von Salz und Fisch, der sich unaufhaltsam in die Kleidung frisst, kurz vor Roses werfen wir das erste Netz aus. Einige Augenblicke später gleicht das Meer plötzlich einem blutroten Spiegel, dessen kräuselnde Oberfläche mit den goldenen Lichtreflexen der aufgehenden Sonne gesprenkelt ist.

Sonnenaufgang vom Fischerboot

Spektakulärer Sonnenaufgang

Spektakulärer Sonnenaufgang vom Fischerboot an der Costa Brava

Ein Sonnenaufgang vom Strand aus kann atemberaubend sein – vom Boot  aus hat man das Gefühl, das Licht vom Himmel pflücken zu können wie einen kleinen Diamanten. Nach dem Spektakel geht es an die Arbeit – die drei Männer haben schon damit begonnen, das erste Netz vom gestrigen Auswurf einzuholen. Die Gespräche verebben für eine Weile, Konzentration ist gefragt. Flinken Tieren ähnlich wirren die Hände der Fischer die Beute im Sekundentakt aus den engen Maschen des Netzes und werfen sie in die mit Wasser gefüllten Eimer. Wir bekommen Seezungen, Barsche und Karauschen zu Gesicht, ab und an hat sich auch ein haiähnlicher Katzenfisch oder ein kleiner Rochen in dem Netz verfangen, die jedoch wieder in die Freiheit entlassen werden.

Der Fang variiert von Netz zu Netz.

Der Fang variiert von Netz zu Netz.

Wohl selten ist man seiner Nahrung so nah gekommen und findet sich am Ursprung des Verarbeitungsprozesses wieder, der irgendwann in einem der unzähligen Fischrestaurants entlang der Küste ein Ende finden wird. Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass der Anblick so manchem empfindlichen Magen einen Dämpfer verpassen würde – so interessant und aufregend die Tour auch sein mag, wird man doch auch daran erinnert, dass unsere kunstvoll aufgearbeiteten, kulinarischen Genüsse eben nicht schon in diesem Gewand aus dem Meer springen und dahinter immer auch der Tötungsprozess steht.

Erstes Netz – und ein lächeln bei den Fischern

Nach knapp einer Stunde ist das erste Netz eingeholt. Es war ein guter Fang, die Eimer sind gefüllt und das Gesicht unseren Fischers ziert ein zufriedenes Lächeln. Durch wieviele unterschiedliche Hände der Fisch wandert, bis er schließlich auf dem Teller landet, erklärt uns der Fischer auf dem Weg zu dem zweiten Netz. Verkauft wird er zunächst bei der Fischversteigerung in Roses, die sich täglich in den Hallen auf dem Hafengelände zuträgt, die Abnehmer sind jedoch selten die Restaurants selbst, sondern meist Großunternehmer, durch die der Fisch dann weiterverkauft wird. Der Fischereibetrieb fällt auch im Winter nicht in den Schlaf – das ganze Jahr über verlassen die Boote der Fischer den Hafen, der Fang variiert von Monat zu Monat.

Nicht nur Fisch wird an Deck geholt.

Nicht nur Fisch wird an Deck geholt. Aber wird auch sofort wieder in Freiheit entlassen.

Einblick in einen traditionellen Beruf

Zwei Stunden später sind zwei weitere Netze eingeholt und wir steuern langsam wieder den Hafen an – der wohl perfekte Zeitpunkt für die Heimkehr, denn vor den Hängen der Pyrenäen türmen sich inzwischen düstere Wolken. Am Hafenrand verabschieden uns die Fischer herzlich – die typischen Klischees wären hiermit schonmal aus dem Weg geräumt. Wir sind ein bisschen kalt und ein bisschen klamm und unser ganzes Auto ist von Fischgeruch gefüllt, als wir uns auf den Heimweg machen – doch es ist lohnenswert, denn einen tieferen Einblick in einen traditionellen Beruf der Region bekommt man wohl nirgends geboten und gerade diese Momente sind es, die eine Reise zu etwas Besonderem machen.

Information:
Die Touren starten von Mai – September von Roses, Llança und L’escala aus. Zum Buchen mit dem Ajuntament in Roses in Verbindung setzen.

Fischer Roses - Spektakulärer Sonnenaufgang.

Spektakulärer Sonnenaufgang. Fischer Roses.

Fischer Roses – Costa Brava

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