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Sensorium Grand Gala of Surrealism

Künstler waren am Werk.

Normalerweise begeben wir uns auf die Suche nach der Kunst und nicht umgekehrt. Bei der besonderen Atmosphäre, die am vergangenen Samstag die Gassen des schönen Cadaqués umwehte, hatte man jedoch plötzlich den Eindruck es sei andersherum und die Kunst sei auf Menschenjagd gegangen.

Schöne Gestalten.

Man kann es wohl Dalís Vermächtnis nennen, dass sich die Szene entlang der Küste unter dem Schlagwort des Surrealismus fassen lässt, der durch seine Allgegenwart alles andere zu übertrumpfen scheint. Was wir heute mit jener genial – skurillen Kunstrichtung der Vergangenheit verbinden, war für die Künstler der damaligen Zeit gleichermaßen Lebenstil. Fast genauso berühmt wie Dalís fanatische, träumerische Gemälde waren seine legendären Parties, bei denen sich das Who-is-Who der Surrealistenszene tummelte. Mal war der Tisch mit einem Tierkadaver dekoriert, mal erschient Gala mit einem Pferdekopf auf ihrem eigenen Haupt. Umso absurder, umso besser schien das Motto zu sein und das schier Unmögliche wurde möglich gemacht.

Schwerstarbeit hinter der Bar.

Genau davon ließen sich auch die Veranstalter der Sensorium Grand Gala of Surrealism inspirieren, die am Samstag den 21.09.13 zum ersten Mal in Cadaqués stattfand. Kunst nicht nur wahrnehmbar, sondern auch spürbar machen, war ihre Idee gewesen und für diese Umsetzung bedurfte es nicht nur Kreativität, sondern auch Organisationstalent. Die internationale Marketing-Gruppe, die sich hinter dem Event verbirgt, nennt sich  immaginae und stammt aus Florence in Italien. Sie sind jedes Jahr Mitveranstalter der Florence Design Week und arbeiten mit renommierten Künstlern rund um die Welt zusammen. Die Schönheit der Costa Brava und Dalís Präsenz lockte sie jetzt zum ersten Mal nach Katalonien.

Kreaturen der Nacht.

Und tatsächlich lag schon den ganzen Tag etwas in der Luft. Da tauchten Gummihandschuhe wie aus dem Nichts zwischen den Badenden am Strand auf, gefüllt mit phosphoreszierender Flüssigkeit, die bei der Dämmerung ein unheimlich blaues Licht verströmte. Auf dem Markt, der sich entlang des Passeigns erstreckte, wurden exzentrische Hüte neben außergewöhnlichen Schmuckkreationen verkauft. Gegenüber konnte man sich selbst Dalís berühmt-berüchtigten Schnurrbart anlegen. Überall schienen die Besucher zur Interaktion aufgefordert zu werden – halb elf begann das Tagesprogramm mit einer Art Performance in der Cocktaileria Boia Nit.  Kurz darauf wurde der malerische Naturpark um das Cap de Creus auf surreal-künstlerische Weise erkundet. In der freien Entfaltung von Kunst und Kreativität lag die Intention der immaginae-Gruppe und zahlreiche internationale Künstler leisteten am Wochenende ihren Beitrag.

Tänzer bei der Sensorium Gala

Und doch war das Tagesprogramm nur die Ruhe vor dem Sturm. Kurz nachdem sich die Dämmerung über die Stadt gelegt hatte, schlängelten sich plötzlich zahlreiche Autos die Straße durch den felsigen Naturpark entlang zu der Villa Ses Vistes und eine ganze Meute skurill anmutender Menschen mit Hüten ließ sich dabei beobachten, das majestätische Anwesen zu betreten. Es war die Einladung zu der eigentlichen Gala of Surrealism, einer surrealistischen Dinner-Party, die das prominente und kunstbegeisterte Publikum lockte und ihm Kreativität abverlangte – ohne Kostümierung wäre man mehr als underdressed gewesen.

Künstler waren am Werk.

Und die Aufforderung zeigte ihre Wirkung. Schon zu Beginn der Party wurde die Terrasse der Villa Schauplatz einer Modenschau, die an Vivienne Westwoods ausgefallenste Kreationen erinnerte – in pompöse Kleider gehüllt erschienen die Frauen mit riesigen Farbpaletten und Eiern auf dem Kopf. Bunte Schmetterlinge schienen sich in Haaren verfangen zu haben. Hände wuchsen aus Hüten, eine der Frauen trug einen toten Hummer auf dem Kopf. In ein nicht minder beeindruckendes Gewand hatte sich die Location gehüllt: schwimmende Skulpturen im Pool, schmelzende Glasflaschen, Möbel aus Früchten. Das Fass des Surrealismus schien endgültig übergeschwappt zu sein und hatte sich über alle Häupter ergossen.

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Nach den ersten Gin Tonics ging es über zu kulinarischen Erlebnissen. Chefkoch Artur Goni legte sich ins Zeug, mit seinem Menü für genauso viele Überraschungen zu sorgen wie die Kostüme der Gäste. Nach diesem teils verwirrenden aber genussvollen Einstieg stand der Nacht nichts mehr im Wege. Die Terrasse verwandelte sich in eine Bühne, auf der sich nicht nur Tanzwütige, sondern auch Schauspieler, Sänger und Artisten tummelten, um das Publikum mit einem ständig wechselnden Programm zu schockieren and zu animieren. Man hatte mehr und mehr das Gefühl, in eine fremde Welt abzudriften, was nicht nur dem in rauen Mengen fließenden Sekt und Gin zu verdanken war.

Kostüm war Pflicht!

Es war die Mischung künstlerischer sowie kulinarischer Besonderheiten, die die knisternde Atmosphäre kreierte, die die ganze Nacht nicht verebbte. Tatsächlich haben die Veranstalter mit diesem Event den Beweis erbracht, dass dalínistische Partys auch in heutiger Zeit funktionieren und der Surrealismus mehr sein kann, als eine bloße Kunstrichtung. Manch einer wird am nächsten Tag aufgewacht sein und sich gefragt haben, ob er einfach nur geträumt hat. Die Sensorium Grand Gala of Surrealism war nur der erste Streich der immaginae- Gruppe. Nächsten Sommer werden sie nach Cadaqués zurückkehren, um die Fantasie ein zweites Mal aus ihrem goldenen Käfig zu entlassen.

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